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Alternative Pop-Rock - CD

Robyn Hitchcock & The Venus 3 - Olé! Tarantula

Es ist fast 30 Jahre her, daß Robyn Hitchcock in Cambridge seine Band Dennis & The Experts in The Soft Boys umbenannte. Das war der Startschuß für seine Karriere als ultimativer Kultsongwriter Englands.
Ausgehend von einer frühen intensiven Auseinandersetzung mit den Beatles, Syd Barrett, Bob Dylan und Velvet Underground hat Hitchcock ein mittlerweile so um die 30 Alben umfassendes Oeuvre geschaffen, das trotz seiner stilistischen Vielfalt von Psychedelia bis Punk, Pop bis Brit-Folk und klassischem Songwritertum bis Americana von einer unverwechselbar exzentrischen und stets erfrischend surrealen Vision geprägt sind. Den inhaltlichen Schwerpunkt bilden immer wieder die beiden wesentlichsten Lebensthemen überhaupt, nämlich Sex und Tod, denen er mal mit dem gebotenen Respekt und dann wieder mit gekonnt inszenierter Absurdität begegnet. Nachdem das Vorgängeralbum "Spooked" in düsterem und etwas manieriertem Americana-Sound an mancher Stelle etwas verloren wirkte, ist Olé! Tarantula eine gelungene Rückkehr zu den gewohnten Stärken geworden. Diesmal dominieren wieder Melodien und Harmonien, es gibt eingängige Refrains, und es rockt auch wieder einmal, sodaß die Witze und Wortspiele auch gleich viel besser funktionieren. Gleich der Opener "Adventure Rocketship" ist Powerpop vom feinsten, das wunderschön dahin tänzelnde "Belltown Ramble" philosophiert in freien Assoziationsketten vor sich hin, und mit "(A Man´s Got to Know his Limitations) Briggs" gelingt wieder einmal ein großer komödiantischer Streich, inspiriert von Clint Eastwoods Schlußsatz aus dem Film Dirty Harry II, nachdem Protagonist Sgt. Callahan den Selbstjustizfanatiker Lt. Briggs ausgetrickst und in die Luft gesprengt hat. Weitere Highlights sind das an die Soft Boys erinnernde "Underground Sun", der etwas dylaneske Titelsong und "N.Y. Doll", ein Abschiedsgruß an den unglücklichen Arther "Killer" Kane von den legendären Glam Punks The New York Dolls, der 2005 an Leukämie verstorben ist und in der berührenden Doku "New York Doll" von Greg Whitley verewigt wurde.
Für Olé! Tarantula hat Hitchcock auch wieder einmal eine sehr starke Band rekrutiert, Venus 3 sind im Detail Peter Buck von R.E.M., Scott McCaughey ( Minus 5 und Teilzeit-R.E.M.-Mitglied) und Bill Rieflin (Minus 5, Ministry). Weitere Gäste sind u.a. die alten Soft Boys-Kollegen Morris Windsor und Kimberly Rew, der mit Katrina & The Waves für "Walking on Sunshine" verantwortlich und später einmal sogar Eurovisions- Song- Contest- Sieger war (- Wer erinnert sich noch an "Shine A Light"?), sowie die 60er- Legende Ian McLagan (u.a. The Small Faces!) an der Orgel. Wahrscheinlich wird Robyn Hitchcock mit diesem Album auch nicht berühmt werden, obwohl er eigentlich mit den ganz großen Engländern seiner Generation wie etwa Elvis Costello oder Paul Weller im gleichen Atemzug genannt werden müßte. Freuen wir uns aber trotzdem und eigentlich erst recht auf die nächsten 30 Jahre mit dem von Erfolg und gieriger Medienaufmerksamkeit verschonten und umso erfrischenderen Ausnahmekünstler.

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